Warum Antibiotika Resistenzen uns alle betreffen

Antibiotika haben die Medizin revolutioniert – in der Humanmedizin ebenso wie in der Tiermedizin. Doch je häufiger und ungezielter sie eingesetzt werden, desto größer wird der Selektionsdruck auf Bakterien. Die Folge: Antibiotikaresistenzen entstehen und breiten sich aus. Antimikrobielle Resistenz (AMR) ist damit längst kein Problem einzelner Patient*innen oder einzelner medizinischer Fachbereiche mehr, sondern eine gemeinsame Herausforderung für Mensch, Tier und Umwelt. Genau hier setzt der One-Health-Ansatz an.

Was bedeutet One Health?

Der One-Health-Ansatz betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als eng miteinander verbunden. Krankheitserreger und insbesondere resistente Bakterien machen an den Grenzen zwischen diesen Bereichen nicht halt.

Mensch und Tier leben eng zusammen, teilen ihre Umwelt und kommen mit denselben Oberflächen und teilweise denselben Mikroorganismen in Kontakt. Gleichzeitig beeinflussen Umweltfaktoren wie Abwasser, Böden oder die Verbreitung von Antibiotikarückständen und resistenten Bakterien die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen.

Wie entstehen Antibiotikaresistenzen?

Bakterien können durch genetische Veränderungen oder durch die Aufnahme von Resistenzgenen unempfindlich gegenüber bestimmten Antibiotika werden.

Entscheidend ist dabei der Selektionsdruck: Werden empfindliche Bakterien durch ein Antibiotikum abgetötet, können resistente Bakterien überleben und sich ungehindert weiter vermehren.

Das bedeutet nicht, dass jede Antibiotikatherapie automatisch zu Resistenzen führt. Antibiotika sind wichtige, teils lebensrettende Medikamente. Entscheidend ist der gezielte, indikationsgerechte Einsatz. Hier setzt Antibiotic Stewardship an.

Warum spielt die Veterinärmedizin eine Rolle?

Haustiere sind Teil unserer Lebensgemeinschaft und damit auch Teil des One-Health-Systems. Sie können Träger bestimmter Bakterien sein und mit Menschen Mikroorganismen austauschen.

Gleichzeitig ist die Tiermedizin selbst auf wirksame Antibiotika angewiesen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Wirkstoffen liegt daher nicht nur im Interesse der Resistenzkontrolle, sondern sichert langfristig auch eine funktionierende tiermedizinische Versorgung.

Antibiotic Stewardship bedeutet dabei nicht, Antibiotika möglichst selten einzusetzen. Es geht vielmehr darum, sie dann einzusetzen, wenn sie tatsächlich benötigt werden – mit dem passenden Präparat, der richtigen Dosierung und der geeigneten Therapiedauer.

One Health beginnt nicht erst beim Antibiotikum

Antibiotic Stewardship beginnt bereits vor der Entscheidung für ein Antibiotikum. Eine gute Diagnostik, konsequente Hygiene, professionelles Wundmanagement, die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen und eine geeignete lokale Versorgung tragen dazu bei, Infektionen zu verhindern oder ihr Management zu unterstützen.

Bei oberflächlichen, lokalen Problemen kann beispielsweise eine antimikrobielle lokale Versorgung Teil des Behandlungskonzepts sein. So lässt sich die Therapie stärker auf den tatsächlichen Befund ausrichten – statt reflexhaft systemisch zu behandeln.

HOCl als Baustein der lokalen Versorgung

Hypochlorige Säure (HOCl) ist Bestandteil der natürlichen, unspezifischen Immunabwehr: Neutrophile Granulozyten bilden HOCl unter physiologischen Bedingungen als Teil ihrer Abwehrreaktion gegen Mikroorganismen.

Diese antimikrobielle Wirkung macht HOCl auch für die lokale Anwendung interessant. Je nach Produkt und Indikation kann HOCl zur Reinigung und Versorgung von Wunden sowie zur lokalen Pflege von Haut, Ohren, Augen, Maulhöhle oder Präputium eingesetzt werden.

Wichtig: Eine lokale HOCl-Anwendung ersetzt keine notwendige antibiotische Therapie. Bei tiefen, schweren oder systemischen Infektionen sowie entsprechenden klinischen Befunden sind weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls eine systemische Therapie erforderlich.

Was kann jede*r Einzelne leisten?

One Health klingt zunächst nach einem Konzept für große Organisationen, Kliniken oder Forschungseinrichtungen. Tatsächlich beginnt es aber bereits im klinischen Alltag.

Für Tierärztinnen und Tierärzte bedeutet verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz konkret:

  • Antibiotika nur bei entsprechender Indikation einsetzen
  • wenn möglich eine gezielte Diagnostik durchführen (z. B. Antibiogramm)
  • lokale Therapiemöglichkeiten sinnvoll nutzen
  • Hygiene- und Präventionsmaßnahmen konsequent umsetzen
  • Tierhalter*innen über verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz aufklären
  • unnötige oder wiederholte Antibiotikatherapien vermeiden

Jede einzelne Therapieentscheidung ist ein Baustein eines größeren Systems.

One Health: Eine gemeinsame Verantwortung

Antimikrobielle Resistenzen lassen sich nicht isoliert in Humanmedizin, Tiermedizin oder Umwelt betrachten. Sie entstehen und verbreiten sich in einem komplexen System, in dem diese Bereiche eng miteinander verbunden sind.

One Health bedeutet daher nicht, Verantwortung zwischen Human- und Tiermedizin aufzuteilen – es bedeutet, sie gemeinsam zu übernehmen.

Ein bewusster Umgang mit Antibiotika, eine fundierte Diagnostik und der gezielte Einsatz geeigneter präventiver und lokaler Maßnahmen tragen dazu bei, die Wirksamkeit wichtiger antimikrobieller Wirkstoffe langfristig zu erhalten.

Antibiotic Stewardship ist nicht nur eine Frage der heutigen Therapie, sondern auch der Medizin von morgen.

Quellen: 

WHO/FAO/UNEP/WOAH – Quadripartite guidance on One Health integrated surveillance of AMR and AMU (2026)

WOAH – Responsible and prudent use of antimicrobial agents in veterinary medicine

Jin et al. (2023) – Evidence for the transmission of antimicrobial resistant bacteria between humans and companion animals

Daireaux & Nobrega (2026) – Antimicrobial resistance in companion animals: trends, threats and takeaways

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