Equine Keratitis beim Pferd: Ätiologie, Symptome, Diagnostik und Therapie. Aktuelle Erkenntnisse zur Anwendung von hypochloriger Säure (HOCl).

Keratitis, die Entzündung der Hornhaut, zählt zu den häufigsten und potenziell schwerwiegendsten Augenerkrankungen bei Pferden. Aufgrund der exponierten Lage des Pferdeauges und der Anfälligkeit für Verletzungen führt sie oft zu erheblichen Schmerzen, sekundären Infektionen und in schweren Fällen zu dauerhaften Sehverlusten. 

Equine Keratitis beim Pferd – Diagnostik, Therapie und neue Erkenntnisse zu HOCl

Was ist eine equine Keratitis? 

Equine Keratitis kann vielfältige Ursachen haben und wird in der klinischen Praxis grundsätzlich unterschieden in:

  1. Ulcerative (infektiöse) Keratitis

Hier steht eine Schädigung der Hornhautepithels im Vordergrund, die meist durch mechanische Traumata verursacht wird (z. B. Fremdkörper, Stroh- oder Pflanzenmaterial), wobei bakterielle oder mykotische Infektionen folgen können. Aspergillus und Fusarium gehören zu den häufigsten Pilzpathogenen bei Pferden.

  1. Nicht-ulcerative Keratitis / immunvermittelte Keratitis

Chronische, nicht-infektiöse Formen wie die immunvermittelte Keratitis entstehen durch aberrante Immunreaktionen der Hornhaut ohne primäre epithelial-ulzerative Läsion. Auch Viren wie EHV-2/5 werden diskutiert, eine kausale Rolle ist aber noch nicht eindeutig bestätigt.

Klinische Symptome der equinen Keratitis

  • Blepharospasmus
  • Epiphora
  • Augenrötung und -schwellung
  • Hornhauttrübung, -erosion oder -ulzeration
  • Photophobie
  • In fortgeschrittenen Fällen: Vaskularisation und Narbenbildung der Hornhaut

Diagnostik der Keratitis beim Pferd

Eine systematische ophthalmologische Untersuchung ist unerlässlich und umfasst:

  • Fluorescein- und ggf. Rose-Bengal-Färbung zur Abklärung epithelialer Defekte
  • Schirmer-Tränentest zum Ausschluss von Tränenfilmstörungen
  • Spaltlampenuntersuchung zur Beurteilung der Hornhaut
  • Kornea-Zytologie und –Kulturen 
  • PCR zur Identifikation schwer kultivierbarer Erreger

Therapieoptionen bei equiner Keratitis

Konservative Therapie

  • Entfernung von Fremdmaterial und nekrotischem Gewebe
  • Schmerzmanagement und Kontrolle der sekundären Entzündung
  • Schutz des Auges (z. B. Visor)

Medikamentöse Therapie

  • Antibiotika nach Antibiogramm
  • Antimykotika bei Pilzinfektionen
  • Atropin zur Linderung von Spasmen der Iris
  • Antiinflammatorische Therapie kontrolliert und vorsichtig, da Kortikosteroide bei Infektionen kontraindiziert sein können

Chirurgische Therapie

Indiziert bei tiefen Ulzera, Perforationen, Descemetocele oder Abszessbildung – Methoden reichen von Gewebstransplantaten bis zur Enukleation in fortgeschrittenen Fällen.

Hypochlorige Säure (HOCl) in der Therapie der equinen Keratitis

Die hypochlorige Säure (HOCl) gewinnt zunehmend an Bedeutung in der tierärztlichen Augenheilkunde, insbesondere als ergänzende Therapieoption bei der infektiösen Keratitis des Pferdes. HOCl wirkt breit antimikrobiell gegen grampositive und gramnegative Bakterien sowie Pilze und zeigt dabei eine sehr gute okulare Verträglichkeit.

Wirkmechanismus von HOCl in der ophthalmologischen Anwendung:

  • breites antimikrobielles Spektrum gegen Bakterien und Pilze
  • antibiofilmaktive Eigenschaften
  • geringe Gewebetoxizität im Vergleich zu konventionellen Antiseptika
  • Unterstützung der Wundheilung durch Reduktion mikrobieller Belastung und Entzündungsmediatoren

 

Ein älteres experimentelles Studienmodell bei Rindern ergab, dass HOCl die Heilungszeit von infektiösen Hornhautläsionen reduzieren und Schmerzen lindern kann, was den Einsatz als nicht-antibiotische Ergänzung zur Standardtherapie nahelegt.

In der equinen Keratitis-Forschung sind direkte klinische Studien zur Anwendung von HOCl bislang begrenzt, doch erste Berichte und veterinärmedizinische Übersichten nennen HOCl als vielversprechende Ergänzungen für die lokale Therapie von infektiösen Keratitiden. 

 

Aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu HOCl bei Keratitis.

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