Interdigitaldermatitis ist eine entzündliche Erkrankung der Haut im Zwischenzehenraum (Interdigitalraum). Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen und auch Bereiche am Ballen und um die Krallen betreffen. Betroffene Hunde werden meist mit Juckreiz, Schwellung, Rötung und Schmerzen an den Pfoten vorgestellt. (Duclos 2013)
Prädisponierende Faktoren
Mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für die Entstehung einer Interdigitaldermatitis:
a) Anatomische Faktoren: enge Zwischenzehenräume, behaarte Pfoten, Fehlstellungen
b) Rassedispositionen: häufig West Highland Terrier, Scottish Terrier, Pekinese und English Bulldog, auch Labrador Retriever und Boxer
c) Adipositas: mechanische Belastung und verminderte Belüftung
d) Feuchtigkeit und Mazeration: nasse Umgebung
e) Allergische Grunderkrankungen: Futtermittel, Atopie
f) Endokrinopathien: Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus (Cushing Syndrom)
Ätiologie
Die Interdigitaldermatitis beim Hund ist meist multifaktoriell. Häufig liegt eine primäre Ursache vor, auf die sekundäre Infektionen folgen. Primär kann die Haut durch eine allergische Dermatitis, Fremdkörper oder Parasiten (Demodikose) gestört sein, während sekundär Bakterien (v.a. Staphylokokkus intermedius) oder Hefepilze (Malassezia spp.) in die Haut eindringen. (Diaz et al. 2023)
Symptome
Typische klinische Symptome der Interdigitaldermatitis sind:
- Rötung und Schwellung der Interdigitalhaut
- Schmerzhaftigkeit bis Lahmheit
- Starkes Belecken oder Kauen an den Pfoten
- Nässen bis Eiterbildung, übler Geruch
- Papeln, Pusteln oder Nodulae bis hin zu Fistelkanälen
- Hyperpigmentierung, Lichenifikation oder Fibrosen bei chronischem Verlauf
(Horvath-Ungerboeck & van den Broek 2011)
Diagnostik
Ziel ist es, die zugrunde liegenden Ursachen zu identifizieren. Nach der klinischen Untersuchung der Pfote folgt die Basisdiagnostik:
- Zytologie (Abklatschpräparat) zum Nachweis von Bakterien, Hefen und Entzündungszellen
- Hautgeschabsel zum Ausschluss von Parasiten
- Trichogramm – Untersuchung der Haarwurzel
Weiterführend sind Blut- sowie Urinanalysen, Allergietests und Bildgebung indiziert, um Primär- und Sekundärerkrankungen abzuklären. Bei tieferen bakteriellen Infektionen bietet sich eine bakterielle Kultur samt Antibiogramm an.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Schweregrad und Chronizität.
Lokale Therapie
- Antiseptische Waschlösungen
- Pfotenbäder oder Spülungen
- Topische Antibiotika oder Antimykotika
- Entzündungshemmende Salben
- Schutz vor Lecken (z.B. Halskragen)
Systemische Therapie (bei schweren Fällen)
- Antibiotika (bei tiefer bakterieller Infektion, basierend auf Kulturergebnissen)
- Antimykotika (bei Hefebeteiligung)
- Glukokortikoide oder andere Antipruretika
- Therapie der Grunderkrankung
Zusätzliche Maßnahmen
Vor allem in der feuchten Jahreszeit ist es wichtig, die Pfoten trocken und sauber zu halten. Eine regelmäßige Fellpflege vor allem zwischen den Zehen und eine eventuelle Gewichtsreduktion können ratsam sein.
Rolle von Hypochloriger Säure (HOCl) in der Therapie
Hyopchlorige Säure (HOCL) ist ein modernes antiseptisches Agens, das zunehmens in der Dermatologie eingesetzt wird.
- Breites antimikrobielles Spektrum gegen Bakterien, Pilze und Viren
- Wirksam gegen Biofilme (evt. relevant bei chronischer Interdigitaldermatitis)
- Geringe Gewebetoxizität im Vergleich zu konventionellen Antiseptika
- Unterstützung der Wundheilung durch Reduktion mikrobieller Belastung und Entzündungsmediatoren
- Schmerzarm in der Anwendung
HOCL eignet sich bei der Therapie der Interdigitaldermatitis besonders bei sekundären bakteriellen Infektionen, chronisch oder rezidivierenden Fällen und Biofilm-assoziierten Fällen.
Eine klinische Studie von Peters et al. zeigt eine direkte dermatologische Relevanz bei der Anwendung von HOCL im Wundmanagement beim Hund. Hier wurde Hypochlorige Säure mit Polyhexamid auf seine antiseptische Effizienz bei Bisswunden von Hunden verglichen. HOCL-basierte Antiseptika zeigen eine effektive antimikrobielle Wirkung. Aufgrund ihrer schnellen Wirkung scheinen Antiseptika auf HOCl-Basis für den klinischen Einsatz vorteilhaft zu sein. (Peters et al. 2026)
Forschungstrend und Zukunftsperspektive: HOCL bei Interdigitaldermatitis des Hundes
Die aktuelle Forschung deutet stark darauf hin, dass Hypochlorsäure (HOCl) in Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle in der Behandlung der interdigitalen Dermatitis bzw. Pododermatitis beim Hund spielen könnte. Vor allem im Hinblick auf Antibiotikaresistenzen bietet HOCL eine starke und moderne Alternative.
Quellen
Díaz, L., Castellá, G., Bragulat, M.R. et al. Study of the variation of the Malassezia load in the interdigital fold of dogs with pododermatitis. Vet Res Commun 47, 385–396 (2023). https://doi.org/10.1007/s11259-022-09951-2
Duclos, D. Canine Pododermatitis, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, Volume 43, Issue 1, 2013, Pages 57-87, ISSN 0195-5616, ISBN 9781455773503, https://doi.org/10.1016/j.cvsm.2012.09.012
Horvath-Ungerboeck, C., & van den Broek, A. (2011). Pedal dermatitis in dogs and cats: Part 1. Companion Animal, 16(1), 39–47. https://doi.org/10.1111/j.2044-3862.2010.00009.x
Peters, M., Eberle, D., Reese, S., Wolf, G., Meyer- Lindenberg. A., Dog- to- dog bite wound management – Comparison of the antiseptic efficacy of polyhexanide and hypochlorous acid with regard to reducing the use of antibiotics: A randomized clinical trial, The Veterinary Journal, Volume 315, 2026, 106505, ISSN 1090-0233, https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2025.106505