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Fachartikel

Postoperative Wundpflege bei Tieren

Risikofaktoren, Warnzeichen und Wundreinigung nach chirurgischen Eingriffen

Nach jedem chirurgischen Eingriff beginnt die postoperative Wundversorgung. Ziel ist es, die physiologische Wundheilung nicht zu stören, Komplikationen früh zu erkennen und das Risiko einer Wundinfektion niedrig zu halten. Dieser Beitrag gibt einen Überblick für Hund, Katze und Pferd und ordnet die Wundreinigung ein.

Warum ist die postoperative Phase wichtig?

Kastration, Tumorentfernung, orthopädische Eingriffe und die Versorgung traumatischer Verletzungen gehören zum Praxisalltag. Auch unter aseptischen Bedingungen lässt sich eine Kontamination nicht vollständig ausschließen. Mikroorganismen können während der Operation in das Operationsgebiet gelangen oder die Wunde später über Umgebung, Haut, Lecken oder Manipulation erreichen.

Die postoperative Versorgung umfasst:

  • regelmäßige Kontrolle der Wunde
  • bedarfsgerechte Reinigung
  • Schutz vor erneuter Kontamination und Selbsttraumatisierung (z. B. Halskragen, Verband)
  • Überwachung des Heilungsverlaufs

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von Eingriff, Lokalisation, Kontaminationsgrad und Patientenrisiko ab.

Postoperative Wundinfektionen

Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) zählen zu den relevanten Komplikationen. Sie können Haut und Unterhaut betreffen, aber auch tiefere Gewebe und Implantate. Eine Infektion kann die Wundheilung verzögern, zusätzliche Maßnahmen erforderlich machen und im ungünstigen Fall einen weiteren Eingriff nach sich ziehen. Epidemiologische Daten zu Hund und Katze liegen vor (Brown et al. 1997).

Risikofaktoren

Das Risiko hängt vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab, zum Beispiel:

  • Kontaminationsgrad des Eingriffs (Wundklassifikation)
  • Dauer von Anästhesie und Operation
  • Implantate und Fremdmaterial
  • Begleiterkrankungen und Immunstatus des Patienten
  • Gewebeschonung und Operationstechnik
  • Lecken, Kratzen oder Manipulation der Wunde durch das Tier

Das Hygienekonzept beginnt vor dem Eingriff mit der Patientenvorbereitung und setzt sich während der Operation mit aseptischem Arbeiten fort. Nicht jede Operationswunde benötigt dieselbe Nachsorge. Eine primär verschlossene, komplikationslos heilende Inzision erfordert eine andere Versorgung als eine kontaminierte oder offene Wunde mit Gewebeverlust.

Warnzeichen bei der Kontrolle

  • zunehmende Rötung, Schwellung oder Wärme
  • vermehrter oder purulenter Wundausfluss, Geruch
  • Schmerzhaftigkeit
  • Wunddehiszenz
  • Allgemeinstörungen wie Fieber oder reduziertes Allgemeinbefinden

Diese Befunde erfordern eine tierärztliche Beurteilung.

Wundspülung nach der Operation

Die Wundspülung ist Teil des lokalen Wundmanagements, besonders bei offenen oder kontaminierten Wunden. Sie entfernt lose Verschmutzungen, Exsudat und Rückstände mechanisch. Dadurch wird die Wundoberfläche gereinigt und die Beurteilung des Wundbetts erleichtert.

Bei der Auswahl einer Spüllösung sind Gewebeverträglichkeit, Anwendungshäufigkeit und Wundsituation zu berücksichtigen. Sterile isotonische Kochsalzlösung ist eine etablierte Option zur mechanischen Reinigung vieler Wunden.

Eine Spülung ersetzt weder die Entfernung von Fremdmaterial und devitalisiertem Gewebe noch die chirurgische Versorgung eines Abszesses noch die systemische Antibiotikagabe bei einer tiefen Infektion. Sie ist auch keine Infektionskontrolle.

Antibiotika und Wundmanagement

Angesichts zunehmender antimikrobieller Resistenz ist der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika auch in der Tiermedizin wichtig. Ob systemische Antibiotika erforderlich sind, wird anhand von klinischem Befund, Art und Ausdehnung der Infektion und gegebenenfalls mikrobiologischer Untersuchung entschieden. Die perioperative Antibiotikaprophylaxe richtet sich nach aktuellen Leitlinien und dem individuellen Eingriffsrisiko (zum Beispiel ENOVAT 2025).

Fazit

Die postoperative Wundversorgung beruht auf Hygiene, bedarfsgerechter Reinigung, Schutz vor erneuter Kontamination und regelmäßigen Kontrollen. Die Wahl der Spüllösung bzw. Wundauflage richtet sich nach Wundzustand, Eingriff und verfügbarer Evidenz. Die Verantwortung für Diagnostik und Maßnahmen liegt bei der Tierärztin oder dem Tierarzt.

Quellen

  • Brown DC, Conzemius MG, Shofer F, Swann H. Epidemiologic evaluation of postoperative wound infections in dogs and cats. J Am Vet Med Assoc. 1997;210(9):1302-1306. PMID: 9143534.
  • Allerton F, Sørensen TM, Scahill K, et al.; ENOVAT and ESGVM. European Network for Optimization of Veterinary Antimicrobial Therapy (ENOVAT) 2025 guidelines for surgical antimicrobial prophylaxis in dogs and cats. J Small Anim Pract. 2026;67:383-405. doi: 10.1111/jsap.70072.