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Fachartikel

One Health: Antibiotic Stewardship in der Praxis

Antimikrobielle Resistenz als gemeinsame Aufgabe von Human- und Tiermedizin

Antibiotika sind in der Human- und Tiermedizin unverzichtbar. Je häufiger und ungezielter sie eingesetzt werden, desto stärker wird jedoch der Selektionsdruck auf Bakterien. Antimikrobielle Resistenz (AMR) betrifft deshalb nicht einzelne Patienten oder Fachbereiche, sondern Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam. Hier setzt der One-Health-Ansatz an.

Was bedeutet One Health?

One Health betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als eng verbunden. Resistente Bakterien und ihre Gene machen an diesen Grenzen nicht halt.

Mensch und Tier leben eng zusammen, teilen Umwelt und Oberflächen und teilweise dieselben Mikroorganismen. Auch Umweltfaktoren wie Abwasser und Böden sowie Rückstände von Antibiotika und resistenten Bakterien beeinflussen die Ausbreitung von Resistenzen.

Wie entstehen Resistenzen?

Bakterien können durch Mutationen oder durch die Aufnahme von Resistenzgenen unempfindlich gegenüber bestimmten Antibiotika werden. Entscheidend ist der Selektionsdruck: Empfindliche Bakterien werden unterdrückt, resistente überleben und vermehren sich.

Das bedeutet nicht, dass jede Antibiotikagabe zu Resistenzen führt. Antibiotika sind wichtige und teils lebensrettende Arzneimittel. Entscheidend ist der gezielte, indikationsgerechte Einsatz. Das ist der Kern von Antibiotic Stewardship.

Die Rolle der Veterinärmedizin

Heimtiere sind Teil des One-Health-Systems. Sie können Träger bestimmter Bakterien sein, und ein Austausch zwischen Mensch und Tier ist beschrieben (Jin et al. 2023). Die Tiermedizin ist zugleich selbst auf wirksame Antibiotika angewiesen.

Antibiotic Stewardship bedeutet nicht, Antibiotika möglichst selten einzusetzen. Sie sollen dann eingesetzt werden, wenn sie benötigt werden: mit geeignetem Wirkstoff, passender Dosierung und angemessener Dauer. Als Orientierung dienen etwa die Empfehlungen der WOAH zum verantwortungsvollen Einsatz antimikrobieller Mittel.

Stewardship beginnt vor der Verschreibung

Die Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum steht am Ende einer Reihe von Schritten:

  • sorgfältige klinische Untersuchung und gezielte Diagnostik (Zytologie, Kultur, Antibiogramm)
  • konsequente Praxis- und Händehygiene
  • Abklärung und Management zugrunde liegender Erkrankungen

Was Tierärztinnen und Tierärzte konkret tun können

  • Antibiotika nur bei entsprechender Indikation einsetzen
  • wenn möglich gezielte Diagnostik durchführen, etwa ein Antibiogramm
  • Hygienemaßnahmen konsequent umsetzen
  • Tierhalterinnen und Tierhalter über den verantwortungsvollen Einsatz aufklären
  • unnötige oder wiederholte Antibiotikagaben vermeiden
  • Einsatzmengen im eigenen Betrieb dokumentieren und regelmäßig überprüfen

Fazit

Resistenzen lassen sich nicht isoliert in der Human- oder Tiermedizin betrachten. Ein bewusster Umgang mit Antibiotika, fundierte Diagnostik und konsequente Hygiene tragen dazu bei, die Wirksamkeit wichtiger antimikrobieller Wirkstoffe zu erhalten.

Quellen

  • WOAH. Responsible and prudent use of antimicrobial agents in veterinary medicine.
  • Jin et al. (2023). Evidence for the transmission of antimicrobial resistant bacteria between humans and companion animals.