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Fachartikel

Biofilm in der Veterinärmedizin

Grundlagen, klinische Relevanz und Wundreinigung in der Praxis

Chronisch rezidivierende Infektionen und stagnierende Wundverläufe gehören zum tierärztlichen Alltag. Ein möglicher Faktor ist die Organisation der beteiligten Mikroorganismen in einem Biofilm. Dieser Beitrag fasst die Grundlagen zusammen und ordnet ein, welche Rolle die Wundreinigung im Management spielen kann.

Was ist ein Biofilm?

Ein Biofilm ist eine organisierte Gemeinschaft von Mikroorganismen, die an einer Oberfläche haftet und in eine selbst produzierte extrazelluläre Matrix (EPS) eingebettet ist. Die Matrix besteht im Wesentlichen aus Polysacchariden, Proteinen und extrazellulärer DNA.

Die Entwicklung verläuft typischerweise in Phasen:

  • Anheftung einzelner Mikroorganismen an Gewebe, Fremdmaterial oder Wundbelag
  • Bildung von Mikrokolonien und Produktion der EPS-Matrix
  • Reifung zu einer dreidimensionalen Struktur
  • Ablösung einzelner Zellen, die neue Stellen besiedeln können

Klinische Relevanz

Biofilme werden mit chronischen und rezidivierenden Infektionen in Verbindung gebracht. Für Pferdewunden wurden Biofilme mikrobiologisch beschrieben (Westgate et al. 2011).

Hinweise im klinischen Alltag können sein:

  • ein stagnierender Wundverlauf trotz sachgerechter Versorgung
  • wiederkehrende Beläge oder Exsudat
  • Rückfälle nach Absetzen einer systemischen Antibiotikagabe

Ein sicherer Nachweis ist in der Praxis schwierig. Eine Standardkultur bildet Biofilm-Besiedlung nur eingeschränkt ab.

Wie Toleranz entsteht

Mikroorganismen im reifen Biofilm sind gegenüber Antibiotika und vielen lokal angewendeten Wirkstoffen deutlich toleranter als freie (planktonische) Zellen. Diese Toleranz ist von einer genetisch verankerten Resistenz zu unterscheiden. Mehrere Mechanismen werden diskutiert:

  • Diffusionsbarriere: Die EPS-Matrix kann das Eindringen von Wirkstoffen verlangsamen oder begrenzen.
  • Reduzierte Stoffwechselaktivität: In tieferen Schichten bestehen Sauerstoff- und Nährstoffgradienten. Die Zellen sind dort weniger aktiv. Viele Antibiotika greifen in aktive Zellprozesse ein.
  • Horizontaler Gentransfer: Die hohe Zelldichte begünstigt den Austausch von Resistenzgenen.

Management in der tierärztlichen Praxis

Die Grundlage bildet die tierärztliche Abklärung. Dazu gehören:

  • Klärung der Grunderkrankung und von Faktoren, die die Wundheilung stören (z. B. Fremdkörper, Implantate, Minderperfusion, Endokrinopathien)
  • Zytologie, Kultur und gegebenenfalls Antibiogramm
  • mechanisches oder chirurgisches Debridement von devitalisiertem Gewebe und Belägen
  • regelmäßige Wundspülung und Reinigung
  • Entscheidung über eine systemische Antibiotikagabe nach Befund und Indikation

Dem Debridement kommt im Biofilm-Management eine zentrale Rolle zu. Wundspülung und Reinigung ergänzen es. Sie entfernen lose Beläge, Sekret und Schmutz und erleichtern die Beurteilung des Wundbetts.

Fazit für die Praxis

Biofilme sind ein relevanter Faktor bei stagnierenden und rezidivierenden Wund- und Hautproblemen. Entscheidend sind Diagnostik, Debridement und das Management der Grunderkrankung. Eine konsequente Wundreinigung ist Teil eines Gesamtkonzepts.

Quellen

  • Westgate SJ, Percival SL, Knottenbelt DC, Clegg PD, Cochrane CA. Microbiology of equine wounds and evidence of bacterial biofilms. Veterinary Microbiology. 2011;150(1-2):152-159. doi: 10.1016/j.vetmic.2011.01.003.