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Fachartikel

Allergische Hauterkrankungen beim Pferd

Pathogenese, Diagnostik und Management in der Praxis

Juckreiz (Pruritus) ist beim Pferd ein häufiger Vorstellungsgrund und diagnostisch anspruchsvoll. Zu den wichtigsten allergischen Ursachen zählen das Sommerekzem (Insektenstich-Hypersensitivität, IBH), die equine atopische Dermatitis (EAD) und die Urtikaria. Eine genaue Differenzierung ist Grundlage für das tierärztliche Management.

Pathogenese

Allergische Hauterkrankungen beruhen auf einer Fehlregulation des Immunsystems gegenüber eigentlich harmlosen Antigenen.

  • IgE-vermittelte Reaktion (Typ I): Sofortreaktion mit Histaminfreisetzung. Sie spielt bei der Urtikaria und bei der IBH eine Rolle.
  • Zellvermittelte Reaktion (Typ IV): Spätreaktion, die bei chronischen Verläufen mitbeteiligt sein kann. Die Studienlage ist hier uneinheitlich.
  • Atopie: Bei der EAD spielen Umweltallergene eine zentrale Rolle. Klinisch kann sich die EAD mit dem Sommerekzem überschneiden und wird möglicherweise unterdiagnostiziert.

Bei IBH sind Stechmücken der Gattung Culicoides die klassischen Auslöser (Schaffartzik et al. 2012).

Klinisches Bild

Leitsymptome sind Pruritus und Urtikaria. Die Verteilung der Läsionen liefert diagnostische Hinweise:

  • Mähnenkamm und Schweifrübe: klassisch bei IBH durch Culicoides
  • ventrale Mittellinie: typisch bei Kriebelmücken (Simulium)
  • Kopf und distale Gliedmaßen: Hinweis auf Atopie oder Kontaktallergie
  • generalisierte Quaddeln: akute Urtikaria, z. B. durch Arzneimittel, Futtermittel oder Inhalationsallergene

Chronische Verläufe gehen mit Alopezie, Krusten, Lichenifikation und Exkoriationen einher. Sekundäre bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen sind möglich und verstärken den Juckreiz.

Diagnostik

  • Anamnese und Klinik: Saisonalität, Haltung, Insektenexposition, Futter, Arzneimittel
  • Ausschlussdiagnostik: Ektoparasiten (z. B. Läuse, Milben), Dermatophytose, bakterielle Follikulitis
  • Eliminationsdiät: mehrwöchig bei Verdacht auf Futtermittelallergie (selten)
  • Intrakutantest: etabliertes Verfahren zur Identifikation von Umweltallergenen, erfordert Erfahrung in der Interpretation. Serologische Tests werden kontrovers beurteilt.
  • Zytologie und Kultur: bei Verdacht auf Sekundärinfektion
  • Biopsie: hilfreich zur Abgrenzung autoimmuner Erkrankungen, z. B. Pemphigus foliaceus

Tierärztliches Management

Das Management allergischer Hauterkrankungen ist multimodal. Ein standardisiertes Vorgehen ist selten erfolgreich. Die Entscheidung liegt bei der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt. Zu den Bausteinen zählen (Marsella 2024):

  • Reduktion der Allergenexposition: bei IBH z. B. Insektenschutzdecken, Stallmanagement zu den Aktivitätszeiten der Mücken, Abstand zu Gewässern
  • Antihistaminika: Einsatz bei Urtikaria, bei Pruritus ist die Evidenz begrenzt
  • Glukokortikoide: wirksam zur kurzfristigen Kontrolle des Juckreizes, mit Vorsicht einzusetzen (Hufrehe-Risiko, insbesondere bei Pferden mit equinem metabolischem Syndrom)
  • Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT): Option bei EAD

Hautpflege und Hygiene

Bei allergischen Hauterkrankungen ist die Hautbarriere gestört. Krusten, Sekret und Schmutz auf geschädigter Haut sind Teil des Gesamtbildes. Die Reinigung und Pflege der betroffenen Stellen kann begleitend zur tierärztlichen Abklärung und Versorgung erfolgen.

Fazit für die Praxis

Allergische Hauterkrankungen beim Pferd sind chronische Management-Erkrankungen. Die Basis bilden eine sorgfältige Diagnostik, das Allergenmanagement und ein tierärztlich abgestimmtes Gesamtkonzept. Hautpflege kann dieses Konzept ergänzen.

Quellen

  • Schaffartzik A, Hamza E, Janda J, Crameri R, Marti E, Rhyner C. Equine insect bite hypersensitivity: what do we know? Vet Immunol Immunopathol. 2012;147(3-4):113-126. PMID: 22575371.
  • Marsella R. Pruritic Horse. Vet Clin North Am Equine Pract. 2024;40:219-235.